Als sich Ende des 19. Jahrhunderts im Großherzogtum Baden geistliche Chöre bildeten, wurde auch Berghausen von dem befruchtenden Wirken jener Epoche erfasst. Man fasste den Entschluss einen Kirchenchor zu gründen.
Eine Schar von 24 Frauen und 9 Männern traf sich 1911 unter der Leitung des Hauptlehrers Preisendanz zur ersten Singstunde und zur Gründungsversammlung des „Kirchengesangvereins“. Regelmäßige Singstunden wurden abgehalten. Leider brachte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges einen Stillstand in der Entwicklung des Chores.
Nach Kriegsende konnte man Hauptlehrer Albert Zimmermann als Chorleiter gewinnen. Mit den Jahren bekam der Chor Zuwachs, so dass bald über 50 aktive und etwa 100 passive Mitglieder dem Verein angehörten. Viele Gottesdienste wurden mit Liedern zum Lobe Gottes bereichert. An Bezirks- und Landesgesangstagen hat der Chor gerne teilgenommen. Weihnachtsfeiern und Theateraufführungen wurden regelmäßig ausgerichtet, so dass sich eine richtige Chorfamilie bildete, die in Freud und Leid zusammenhielt.
Der Zweite Weltkrieg brachte dem Kirchenchor manche bittere Stunde. Auch in dieser schweren Zeit versah der Chor seinen Dienst, leider allzu oft bei Trauerfeiern für gefallene Gemeindeglieder. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich wieder kulturelles Leben in der Gemeinde Berghausen. Nach 33-jähriger erfolgreicher Tätigkeit als Chorleiter musste Albert Zimmermann 1954 wegen Erkrankung die Leitung des Chores aufgeben. Die Chorleitertätigkeit wurde von Bäckermeister Lothar Rall weitergeführt. Die wöchentlichen Chorproben fanden bis zum Jahre 1956 im Gasthaus „Kanne“ in der Karlsruher Straße statt. Ab dem Jahr 1957 wurden die Proben im Evangelischen Gemeindehaus abgehalten. Nach dem allzu frühen Tod von Lothar Rall folgten für den Chor wechselvolle Jahre. Ehrendirigent Albert Zimmermann konnte den Chor einige Zeit leiten. Danach versahen die Kirchenmusikerinnen Helga Kitzel und Gisela Freiburg, ab 1969 Reiner Koppenhöfer und ab 1973 Herbert Raupp den Chorleiterdienst.
Im April 1991 sprachen sich 43 Mitglieder dafür aus, den Kirchenchor als Verein eintragen zu lassen. Von 1996-2014 leitete die Geschicke des evangelischen Kirchenchores der sehr engagierte junge Chorleiter Thomas Nierlin. Mit viel Geduld und großem Einsatz inspiriert er den Chor immer wieder zum Singen größerer Chorwerke wie beispielsweise die Aufführung des Messias von G.F. Händel 2004, die Schöpfung von J. Haydn 2005 und 2007 das Oratorium Paulus von F. Mendelssohn - Bartholdy.
Von 2014-2019 wurde der Chor von Anna Rapp geleitet. Konzerte erfolgten in Kooperationen mit anderen Chören. Unter ihrer Leitung wurde u.a. das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach aufgeführt, sowie zahlreiche Gottesdienste musikalisch gestaltet.
2020 wurde die Chorleitung von Natalie Landes übernommen. Die Corona-Zeit hat der Chor durch musikalische Gestaltung der Gottessdienste in kleinen Ensembles überstanden, jedoch Einbußen in der Mitgliederzahl hinnehmen müssen. Hauptbestandteil der Chorarbeit ist weiterhin das Mitwirken in Gottesdiensten, auch in Kooperation mit den anderen Ensembles der Martinskirche, wie dem Posaunenchor und dem Flötenorchester.
(Nathalie Landes)